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Wir spüren das Leben

 

Wenn der Stein vor dem Grab ins Rollen kommt,
wenn ein Engel leuchtend vor uns steht,
wenn ein Blick in unsre Dunkelkammer fällt,
eine Hand die Todesbinden löst,

 

dann öffnet sich der Morgen über uns,
dann blüht auf, was längst schon totgesagt.
Gott ist da, Gott ist nah - mittendrin, nicht nur dabei.
Wir spüren das Leben.

 

Wenn ein Feuerregen vom Himmel fällt,
wenn ein Sturmwind öffnet Tür und Tor,
wenn ein Funke übermütig überspringt,
gute Nachricht dringt an Herz und Ohr,

 

dann öffnet sich der Morgen über uns,
dann bricht auf, was fest verschlossen war.
Gott ist da, Gott ist nah - mittendrin, nicht nur dabei.
Wir wagen das Leben.

 

Wenn der Tod am Ende nicht das Letzte ist,
wenn Vergänglichkeit geht über Bord,
wenn der Lauf der Zeit von Gott vollendet wird,
wenn der Himmel wird zum Heimatort,

 

dann öffnet sich der Morgen über uns,
dann wird wahr, was uns verheißen ist.
Gott ist da, Gott ist nah - mittendrin, nicht nur dabei.
Wir feiern das Leben.

 

Wilfried Röhrig 03/2002

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