Krüge in Gemeinden

Wallfahrtsgottesdienst mit Krug

„Füllt die Krüge“

Wallfahrtsgottesdienst der Pfarrei St. Nazarius Lorsch in Maria Einsiedel am 19. 08.2007

erarbeitet von Pfr. Hermann Differenz
und Beate Bläsius-Stefan

Vor Beginn des Gottesdienstes wird am Altar ein großer Tonkrug aufgestellt.
Jeder Gottesdienstteilnehmer erhält einen ca. 20-25 cm langen blauen Wollfaden.

Krug vor Wallfahrtskirche

 

Einzug: Gegrüßet seist du, Königin Gl 573
Liturgische Eröffnung
Einführung:
Meine Schwestern und Brüder! Aus Lorsch sind wir heute in verschiedenen Gruppen hierher gelaufen, geradelt gefahren, um hier an diesem Gnadenort zu beten.
Einen weiten Weg hat auch dieser Krug schon hinter sich, denn er war dabei, als unser Bischof Karl Kardinal Lehmann am 24. Juni in Weiskirchen den 25. Weihetag der dortigen Schönstattkapelle begangen hat und von dieser Feier aus, konnten alle Gemeinden, die das wollten, einen Krug empfangen.
Der Krug ist bereit, viel aufzunehmen und er kann viel geben.
So wollen wir unser Herz vor Gott ausschütten mit dem, was uns anfüllt, was uns mit Freude und Dankbarkeit erfüllt und auch mit dem, was uns bis zum Rand, an unsere Grenzen belastet.
Wie ein Krug wollen wir uns öffnen für Gottes Gnade und Hilfe, so wie Maria es uns lehrt.

Kyrie:
Herr Gott, du hast Maria durch die Botschaft des Engels angesprochen und sie hat deinen Ruf gehört.

Herr, erbarme dich …

Du hast Maria mit Gnade erfüllt. So konntest du durch sie zur Welt kommen.

Christus, erbarme dich …

Du willst auch unser Leben neu erfüllen mit deiner Gegenwart.

Herr, erbarme dich …

Gloria:
Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt

Meditation zum Krug:
Vor uns am Altar steht ein Krug. Es ist ein irdener Krug, geformt aus einem Klumpen Ton,
aus einem Guss, im Feuer gebrannt und gehärtet, um stabil zu sein.
Ein Krug ist rund. Die Mitte ist ohne Ecken und Kanten, ohne Anfang und Ende, ausgestattet mit zwei Griffen, damit er gut tragbar ist und gut in der Hand liegt.
Der Krug ist nach oben hin geöffnet, um aufzunehmen und gefüllt zu werden oder um von seinem Inhalt abzugeben und zu verschenken.
Jedoch hat der Krug sein bestimmtes Fassungsvermögen, seine Möglichkeiten sind nicht unerschöpflich.

Der Krug – ein Symbol für unser Leben: An manchen Tagen, in manchen Stunden fühlen wir uns randvoll wie ein gefüllter Krug – zum Überlaufen voll – bereit von der Fülle  herzuschenken, die wir in uns spüren.
„Wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über!“
Aber manchmal ist er auch leer unser Lebenskrug, ohne Inhalt und ausgehöhlt bis auf den letzten Tropfen. Dann brauchen wir jemanden, der uns unseren Krug wieder füllt
mit lebensspendendem Wasser.

Antwortgesang: Halleluja Gl 530,6

Evangelium: Die Hochzeit zu Kana Joh 2,1-11

Predigt:
Meine Schwestern und Brüder!
„Herr, sie haben keinen Wein mehr“, diesen Satz der Muttergottes zitieren manchmal die Gäste bei einem Fest, wenn der Durst groß ist und wenn das Weinglas leer ist.
Dass der Wein ausgeht, das erfahren wir aber auch in ganz anderen Situationen des Lebens:
Da verausgabt sich ein Mensch im Einsatz für seine Familie, in seinem Beruf und plötzlich fehlt die Kraft, um sich zu freuen, es fehlt die Energie für das Leben.
Da stößt ein Mensch an die Grenzen seiner Gesundheit und plötzlich muss er von einem Tag auf den anderen mit einer schweren oder gar todbringenden Krankheit leben und kämpfen – und das Fest des Lebens ist scheinbar aus.
Da fehlt ein lieber Mensch, den der Tod uns genommen hat. Sein Platz ist leer, so wie er wird ihn niemand mehr ausfüllen können. Er ist nicht zu ersetzen.

Der leere Krug hier am Altar ist das Symbol für all diese Situationen, wo wir leer sind – ohne Kraft, ohne Hoffnung, ohne Ziel, ohne Freude.
Maria geht in dieser Situation zu Jesus. Und er fährt sie scheinbar schroff an: „Was willst du von mir, meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
Wenn wir im Johannesevangelium weiterlesen, dann erfahren wir, welche Stunde er meint: Wenn er am Kreuz erhöht wird, den Moment, wo er genau diese Leere erleben wird – das Ende der Kraft, des Hoffens, des Lebens.
In dieser Not streckt Jesus sich – wie er es in seinem ganzen Leben getan hat – mit ganzer Kraft Gott entgegen, auch in dieser schwersten Stunde. Und in seine leeren Hände, die er am Kreuz ausstreckt, in sein leeres Herz, das mit der Lanze durchbohrt wird, in diese Leere, in diese Sehnsucht, in dieses Vertrauen hinein schenkt Gott ihm neues Leben, Auferstehung, einen neuen Beginn.

VERTRAU dich Gott an mit deinen Grenzen. Öffne dich Gott mit deiner Leere; streck ihm dein Leben hin wie einen offenen Krug.
Gib das, was du hast, wenn es auch nur Wasser ist und du wirst erleben: Zusammen mit Gott wirst du die Zukunft finden.

So weist Maria die Diener an: „Was er euch sagt, das tut!“ Und auf Jesu Wort füllen sie die Krüge mit Wasser und er verwandelt es zu Wein – die Leere in Fülle, die Traurigkeit in Freude.
Das war sein erstes Zeichen, ein Hinweis auf seinen Weg und den Sinn seines Lebens. Er will unsere Leere erfüllen mit Leben, mit Kraft, mit neuer Hoffnung.

Maria führt auch uns zu Jesus. Jede Wallfahrt hat ihren Höhepunkt in der Feier der Heiligen Messe.
Maria führt zu Jesus. Sein Wort und seine Heilige Kommunion wollen uns Stärke und Nähe schenken.
Und wenn wir in jeder Heiligen Messe die Gaben zum Altar bringen, dann stehen das Brot und der Wein für diese Welt, für dieses Leben, für unseren Dank, für unseren Erfolg, aber auch für unsere Sehnsucht, unsere Sorgen, unsere Bitten.
Mit den Gaben geben wir uns an den Altar und bitten: „Verwandle uns. Erfülle uns mit neuer Kraft, mit neuem Leben!“

Heute wollen wir das in ganz augenfälliger Weise tun: Wir haben Ihnen vor Beginn des Gottesdienstes einen blauen Faden ausgeteilt.
Er soll symbolisch für das Wasser stehen,
für unsere Sorgen, die uns im Hals stecken, die uns auf dem Herz lasten, aber auch für das Gute und Schöne, das wir dankbar nicht vergessen wollen.
Für all diese Dinge wollen wir Knoten in den Faden knüpfen, um es nicht zu vergessen.
Wenn nun die Orgel spielt, dann machen Sie für sich in der Stille diese Knoten, die wir dann in den Krug bringen.

Krugritual:
Meditative Orgelmusik: Währenddessen knüpfen die Teilnehmer Knoten in ihre Fäden. Anschließend werden die Fäden nach vorne zum Altar gebracht und in den Krug geworfen.
Während die Fäden zum Krug gebracht werden, wird das Taizé-Halleluja gesungen und dazwischen jeweils 2 Verse von Ps 142 (Gl 756) gebetet.

Faden in der Hand für den Krug

Gebet zum Abschluss des Krugrituals:
Herr, Jesus Christus, in diesen Fäden bringen wir Dir unsere Sorgen und unsere Nöte, wir bringen Dir unsere persönlichen Begrenztheiten, die wir immer wieder erfahren, wir bringen Dir alle Lebenssituationen, in denen wir selbst nicht mehr weiter wissen, wir bringen dir alles, was uns bedrückt.
Es ist das Wasser unseres Lebens. Dieses Wasser unseres Lebens geben wir in den Krug –
mehr haben wir nicht, aber auch nicht weniger.
Wir vertrauen darauf, dass Du auf die Bitte Deiner Mutter Maria hin das Wasser unseres Lebens zu Wein verwandeln kannst – zu Wein der Freude und der Fülle.
Herr, darum bitten wir Dich in dieser Stunde. Amen.

Gabenbereitung:
Was uns die Erde Gutes spendet Gl 490

Sanctus:
Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott der Mächte Gl 491

Agnus Dei:
Lamm Gottes Gl 492

Dank:
Alle meine Quellen entspringen in dir

Schluss:
Wunderschön prächtige … Gl 912

 

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