Feierliche Eröffnung des Pauslusjahres

29.06.2007

 

Ansprache von Pfarrer Lukas Wehrle zur Eröffnung des Paulusjahres

 

„An Peter und Paul werden die Pfarrer faul“ - so hat man früher einmal gesagt. Nach den großen Festtagen von Ostern, Pfingsten und Fronleichnam läutet dieses Fest ruhigere Tage ein.
Das war einmal. Heute scheint alles anders zu sein: An Peter und Paul wird aus Anlass des 2000. Geburtstages des Völkerapostels Paulus ein Jubiläumsjahr eröffnet. Dieses Jahr lässt uns keine Zeit, uns auf die faule Haut zu legen und auszuruhen.
Paulus war ein unruhiger Geist in der jungen Kirche, ein Unruhestifter, der uns auch heute in Bewegung bringen will.
Wenn wir ihn in der Pfarrkirche hier in Oberkirch suchen, werden wir ihn nicht finden. Er steht nicht wie die übrigen Apostel hier auf den Säulen, um auf fromme Kirchenbesucher zu warten, er hat zusammen mit Petrus die Schwelle unserer Kirche überschritten und schaut von der Fassade der Stadtkirche herab auf das bunte und geschäftige Treiben auf dem Kirchplatz, auf das Kommen und gehen der Kirchgänger und auf die stillen Genießer im Cafe.

Er ist einer, der die Schwelle schon damals überschritten hat: vom Judentum zum Heidentum, vom Orient zum Okzident, er hat die Berührung gesucht zur griechischen Philosophie und zur römischen Kultur. Er hatte keine Berührungsängste mit der modernen Welt, hatte keine Angst vor fremden Kulturen und anderen Meinungen, keine Angst vor einer anders denkenden erdrückenden Mehrheit. Er wusste sich als „auserwähltes Werkzeug“, dem Gott in seiner Gnade seinen Sohn offenbarte. Diese erfahrene Liebe drängte ihn, wie er einmal schrieb, zu pilgern und zu schreiben.
Paulus will uns allen über die Schwelle helfen: Du brauchst dich als Christ nicht zu verstecken, du sollst erkennbar sein mit deinem Glauben und deiner Hoffnung, du sollst ansprechend den Glauben leben und sprachfähig werden als Christ, um Auskunft geben zu können über die Hoffnung, die dich trägt.

Allerdings, wer nach draußen geht, wird nicht so sauber bleiben, wie die Säulenheiligen unserer Kirche. Auf Petrus und Paulus hat sich der Staub der Jahrhunderte abgesetzt, Ablagerungen der Geschichte haben beiden ganz ordentlich zugesetzt. Jetzt wurden beide gereinigt und mit Sandsteinfarbe lasiert. Frisch herausgeputzt zum Paulusjahr! Darin liegt der Sinn dieses Jahres. Unser Christsein soll sich erneuern. Wir sollen vom Ballast der Jahre, von den Ablagerungen der Geschichte, die durch Enttäuschungen und Schwächen zurückbleiben, wieder frei werden. Paulus, der in neuem Glanz erstahlt, ruft uns auf, die Schönheit des Glaubens neu zu entdecken und ihr wieder Glanz und Farbe zu geben.

Und noch eine Botschaft hält er für uns bereit: Paulus ist gewiss ein theologisches Schwergewicht, nicht immer leicht zu verstehen, er ist ein Gigant des Glaubens, aber er ist kein Einzelgänger! Er steht nicht allein an der Fassade. Petrus ist dabei, auch wenn beide recht verschieden waren, und ihr Verhältnis nicht immer frei von Spannungen war, dienten beide dem einen Evangelium. Paulus hat eine besondere einmalige Sendung, aber er ist darin kein Einzelgänger!
Wir müssen nicht allen um den Hals fallen können, aber durch Einzelgänger wächst die Kirche nicht. Wir brauchen einander, Paulus auf seinen Missionsreisen seine Begleiter, wir einander auf unserem Weg zu Seelsorgeeinheit.

An Peter und Paul werden die Pfarrer faul? Nein wir holen heute in Paulus einen Stürmer in unsere Mannschaft. Am Ende gewinnt, wer am besten gekämpft hat, wer am meisten Laufbereitschaft an den Tag legt. Paulus zeigt uns, dass das nicht nur für die EM gilt.

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