Paulusjahr - Texte

18.03.2009

     

Zweite Fastenpredigt in der österlichen Bußzeit 2009

Pfarrer Peter Lauer, Mittenheim

 

Paulus, der Aufmerksame

Bereitschaft, sich formen zu lassen

Bereitschaft zur Veränderung, so lautete der Tenor der letzten Fastenpredigt am vergangenen Sonntag. Ich schloss mit dem Aufruf, das Altgewohnte und scheinbar Unveränderliche zu verlassen und sich die Freiheit zu nehmen, das Neue zu ergreifen. Das alles durfte ich tun im Rückgriff auf die Bekehrung des Apostels Paulus, von der er selbst - ungewöhnlich zurückhaltend - und der hl. Lukas in der Apostelgeschichte - episch breit, dreimal - berichten.
Heute soll es um die Aufmerksamkeit des Apostels gehen. Vielleicht verwun-dert Sie das Wort, es hat so gar keinen biblischen Klang. Ich möchte Ihnen heute Paulus als den vorstellen, der sich dem Wort Gottes stellt, dieses in sein Leben einlässt und die Wünsche und Anregungen des Gottesgeistes in die Tat umsetzt, auf eine unnachahmliche und deswegen nachahmenswerte Weise.

Innen

Was würden Sie erwarten, wo doch jetzt endlich sich die Wahrheit im Leben des Paulus durchgesetzt hat? Sicher gehen Sie davon aus, dass Paulus keine Stunde ruht, um als der große Apostel, der von Jesus selbst Berufene, als Got-tes auserwähltes Werkzeug zu seiner ersten Missionsreise aufzubrechen.

Vielleicht hätten Sie auch erwartet, dass sich Paulus mit dem Rest der jungen Christengemeinde kurzschließt, mit Petrus, Jakobus und den Übrigen Apos-teln, mit der Urgemeinde in Jerusalem. Es wäre doch bestimmt von Interesse gewesen, sich selbst als Bekehrten und Geläuterten vorzustellen und nun noch einmal, aus berufenem Mund, die Begebenheiten um Jesus von Nazareth, den gekreuzigt Auferstandenen, zu hören.

Weit gefehlt. In seinem Selbstzeugnis im Galaterbrief lesen wir:

"Doch als es dem, der mich schon von Mutterschoß an ausersehen und durch seine Gnade berufen hat, gefiel, mir seinen Sohn zu offenbaren, damit ich ihn unter den Hei-den verkündige, da wandte ich mich nicht sofort an Menschen; ich reiste auch nicht sofort nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, son-dern zog fort nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück." (Gal 1, 15)

Lukas verschweigt diese Episode, immerhin dauert sie vermutlich drei Jahre. Ihm war die Begegnung mit den Aposteln wichtiger als dieser Auf-enthalt in der Wüste. Wir dürfen uns jedoch fragen: Was tut Paulus in Arabien?

"Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Sündenleib vernichtet werde und wir nicht mehr der Sünde dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde." (Röm 6, 7f)

Für Paulus ist dieses neue Leben nicht einfachhin ein Fortsetzen des Alten unter neuen Vor-zeichen. Die radikale Wandlung, die er an Leib und Seele erfahren hat, bedeutet für ihn, ganz und gar und mehr und mehr in das Mysterium Christi hineingezo-gen zu werden. "Offenbar brauchen wir ein Sterben des Alten, damit das Neue in uns aufbrechen kann" (Grün 73). Der Weg Pauli in die Wüste ist der Weg der Initiation in die von ihm jetzt ersehnte Christusförmigkeit. "Bei der Initiation geht es um eine neue Identität. Die Begriffe, in der Paulus diese beschreibt, ähneln denen, wie sie in einer Therapie benutzt werden. Auch dort geht es dar-um, Altes zu begraben, alte Lebensmuster loszulassen, um mit dem Ursprüng-lichen und Authentischen in sich in Berührung zu kommen" (Grün, 74).

In einem schönen Vergleich deutet Hildebrandt das Geschehen: "Die Vision - ein Schatz. Paulus ein Schatzgräber: Dies ist wohl die einfachste und vorerst verlässlichste Form für das Verhalten des Mannes in seinem neuen Leben. Paulus hat einen Schatz entdeckt, von dem er schon vorher gewusst hatte, den er aber vorher für wertloses Zeug hielt, für Talmi, Blech, betrügerische Hinter-lassenschaft. Wer einen Schatz entdeckt, will ihn ja nicht sofort, will ihn viel-leicht niemals teilen, er geht auf alle Fälle behutsam, vorsichtig, auch etwas heimlich zu Werke. Er nimmt ihn erst einmal beiseite, vergewissert sich: zählt nach, prüft die Stücke, liest die Prägungen, beißt in die alten Münzen, unter-scheidet, schichtet auf" (Hildebrandt , 84). Er selbst schreibt an die Korinther in seinem zweiten Brief:

"Wir haben diesen Schatz aber in Tongefäßen, damit der Überschwang an Kraft Gott zugemessen wird und nicht uns."
(2 Kor 4, 7)

Der Schatz also, um die beiden aufgezeigten Linien zusammen zu führen, der Schatz will verinnerlicht werden. Er will geschmeckt, durchlebt, erfühlt, verleib-licht werden.

Die Wüste, der Ort der Entscheidung, ist für das Volk der Juden heiligt. Jesus selbst tritt in die Wüste ein, um einen Selbsterfahrungskurs mitzumachen, der in der Versuchung durch den Teufel gipfelt. Auch für ihn ist ein Prozess der Formation, des Erzogen-Werdens, in der die Stimme Gottes, seines Vaters, sich tiefer und innerlicher vernehmen ließ als in seinem Elternhaus, als in den heimischen Bezügen, als in seinem Dorf. Es kann hier nicht um einen Ablö-sungsprozess vom Elternhaus gehen, einen späten Auswuchs der Pubertät, es geht um das Reifen zu einer ganzen Persönlichkeit, die sich ausspannt zwi-schen oben und unten, Gott und Menschen, die ganze Welt umfassend und sie in sich aufnehmend, die Krise der Lebensmitte.
Wenn wir bei Christus eine gnadenhafte Offenheit für Gott und die Welt vor-aussetzen dürfen, so ist es bei Paulus noch mit einem anderen Aspekt verbun-den. Mit ihm tritt uns ein Mensch entgegen, der sich lange Zeit seines Lebens seinem Urgrund verweigert hat, der den fließenden Quell mühsam zugestopft hielt. Erhellend und drastisch sagt Johannes Tauler: "Woher, meint ihr, kommt es, dass der Mensch auf keine Weise in seinen Grund kommen kann? Das ist Schuld daran: dass sich manch dicke, gräuliche Haut darüber gezogen, so dick wie Ochsenstirnen, und die haben seine Innerlichkeit so verdeckt, dass weder Gott noch er selbst hinein kann: es ist verwachsen" (zit. nach Grün, Lebensmit-te, 27).

Die Wüste ist für Paulus der Ort, an dem er sich mit seinem ‚unheimlichen Bru-der’ versöhnen kann. Bisher hatte er ihn aus seinem Leben verdrängt, ihn nicht wahrhaben wollen. Es durfte "nur eine Wahrheit und Richtschnur des Handelns geben, die absolut sein muss; sonst gewährt sie keinen Schutz gegen den dro-henden Umsturz, der überall gewittert wird, nur nicht bei sich selbst" (C.G. Jung, GW 7, zit. nach Grün, Lebensmitte, 51f). Das ungelebte Leben, die ungekannten Seiten des Paulus erwachen. Er widersteht jedoch der Versuchung, zu dieser neuen Seite hin auszubrechen, in eine neue Einseitigkeit hinein, im Ge-gensatz zum bisherigen Leben sein neues Leben zu gestalten. Diese Verhal-tensweise, die ein Ergebnis der Midlife-Crisis sein kann, wird ihnen bestimmt aus dem einen oder anderen Beispiel bekannt sein, aus ihrer Familie und ihrem Bekanntenkreis.

"Brüder, der Wunsch meines Herzens und mein Gebet zu Gott gilt ihrer Ret-tung. Ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne die rechte Einsicht." (Röm 10, 1f)

Wunderschön, wie er uns sein Herzensanliegen offen-bart, wie ein Gedicht auch sein Wort vom Ölbaum, dem die Zweige eingepfropft sind:

"Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich."(Röm 11, 18)

Versöhnt mit dem, was ihm vor der Bekehrung wichtig war, ihn prägte, geht Paulus ins das Neue hinein, das ihm verheißen ist.

Ich bin mir bewusst, dass dieser Ausflug in die geistliche Tradition und die ak-tuelle Psychologie Ihnen wie eine Vergewaltigung der Person Pauli vorkommen kann. Ich habe versucht, mich der Gewalt des Umsturzes zu nähern, der ihn auf dem Weg nach Damaskus ereilt hat, der sein bisheriges Lebensgebäude wohl nicht zu Einsturz, jedoch um die kostbarsten und schönsten Zimmer bereichert hat. Mit dieser Interpretation möchte ich Sie einladen, die Krise oder die Krisen ihres Lebens als das anzunehmen, was sie sind, als Wegweisungen Gottes. Liebende Aufmerksamkeit seiner Stimme gegenüber heißt, sich in der Dunkel-heit an ihn zu wenden, der die Quelle des Lichtes ist, und ihn, Gott, als tragfähiges Fundament und als liebende Atmosphäre anzunehmen, der ihr Leben lebenswert und fruchtbar werden lassen will.

Lassen sie sich vom Gottes Lebens einladen, achtsam die Entwicklungen ihres Lebens, seine Erhellungen, vielmehr aber auch die Verfinsterungen wahrzunehmen und seine Stimme zu hören, die Sie einlädt, zu einem ganzen Men-schen zu werden.

Außen

Die Haltung des Paulus in der Wüste, die ich ihnen soeben in meiner Interpretation darlegte, spielte sich mehr in den inneren Prozessen ab. Ich möchte sie einladen, einen neuen Weg mit zu gehen, der jetzt die inneren Welten verlässt und sich der damals bekannten Welt zuwendet. Eine kleine Stelle ist es, dich mich aufhorchen lässt. Der Heilige Geist selbst nämlich erhebt Einspruch! Lukas schreibt:

"Sie durchzogen Phrygien und die Landschaft von Galatien, weil ihnen vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort in der Provinz Asia zu ver-künden. So kamen sie in Richtung Mysien und versuchten nach Bithynien zu gelangen; aber der Geist Jesu gestattetet ihnen auch das nicht." (Apg 16, 6f).

Was war da los? Waren es Wind, Wetter oder Winterverhältnisse, die den Wanderern den Weg versperrten, waren es Hungersnöte oder Räuberbanden, die sie nicht weiter gehen ließen? Oder war es einfach die Widerspenstigkeit der Leute, die genug hatten von Göttern und Wahrheiten? Oder aber die Nachstellungen einer „Thora-Polizei“ im Spiel, regelrechte Verfolger aus Jerusalem? Lukas aber bemüht den Heiligen Geist!’ (Hildebrandt, 120).

Dem zweimaligen Hindern durch den Hl. Geist möchte gerne ein einmaliges Auffordern des Hl. Geistes hinzufügen:

"In der Nacht hatte Paulus eine Vision: Ein Mazedonier stand vor ihm, bat ihn und sagte: Komm herüber nach Maze-donien und hilf uns!" (Apg 16, 9)

Lassen sie uns in die Situation der Unverzagten damals eintreten. Bei aller titanischen Energie des Paulus sind die Rückschläge für seine Missionstätigkeit immens. An mehreren Stellen zählt Paulus die Bedrängnisse auf, die er für das Reich Gottes und seine Verkündigung einstecken musste. Schiffbruch, Schläge, Steinigung sind nur Spitzenbegriffe einer gesamten Wirklichkeit, die wohl mehr von Rückschlägen als von Fortschritten geprägt war. Wer kann das aus-halten? Der sich getragen weiß von der Grundkraft der Liebe, der immer wieder seine Kraft erneuert aus der Hoffnung heraus, die ihn erfüllt. "Es erscheint als das Unterscheidende der Christen, dass sie Zukunft haben: Nicht, als ob sie im Einzelnen wüssten, was ihnen bevorsteht; wohl aber wissen sie im Ganzen, dass ihr Leben nicht ins Leere läuft. Erst wenn Zukunft als positive Realität gewiss ist, wird auch die Gegenwart lebbar … Das Evangelium … ist Mitteilung, die Tatsachen wirkt und Leben verändert. Die dunkle Tür der Zeit, der Zukunft, ist aufgesprengt" (Benedikt XVI., Spe salvi 3). Ganz bewusst habe ich diese Worte aus Spe salvi Papst Benedikt XVI. an den Anfang dieser Überlegungen gestellt. Zuweile nehmen wir das dunkle Tor der Zukunft außerordentlich stark wahr, es droht, über uns Macht zu gewinnen und die christliche Zuversicht auszulöschen. Hoffnungsfroh dürfen wir jedoch das ‚Heute’ wagen und getrost die Sorge um das ‚Morgen’ anderen überlassen. Es ist eine Haltung des Ver-trauens, die angesichts der steigenden Wellen ein immer neues Aussteigen aus dem Boot unter der drohenden Gefahr des Untergangs möglich macht. Ei-ne Übung für jeden Tag!

Doch das Herz ist schon angekränkelt! Sorgenvoll schielen wir, innerkirchlich überdeutlich, nach dem Morgen, darüber vergessen wir das ‚Heute’. Die ersten Worte aus dem Stundengebet der Kirche für jeden Tag sind aus dem Psalm 94(95) genommen: ‚Heute, wenn ihr seine Stimme hört’.
Wir leben in einer Zeit der Krise. Die Gewissheit der finanziellen Sicherheit, auf der wir uns gut ausruhen konnten, sind verflogen. Das Gebäude, in dem wir uns wohnlich eingerichtet hatten, ist von einigen gewissenlosen Bankern und auch von uns, die wir nicht wachsam genug Einspruch erhoben hatten, unterirdisch ausgehöhlt, unterspült und zum Einsturz gebracht worden. Das, was wir als garantierte Lebensqualität für alle Ewigkeit sicher glaubten, liegt unter dem strömenden Regen der Zeitgeschichte. Zu wohnlich waren unsere Räume, als dass wir die Risse in den Wänden ernst genommen hätten. Ein bisschen Tapete hier, ein wenig Farbe da, bloß keinen Blick in den Keller riskieren, wo sich die Risse nicht durch Putz verschönern ließen.
Ganz im Gegensatz zu manchen Politikern (sie haben richtig gehört, Politiker, nicht Kirchenleute), die Umwelt-Sünden durch Hurricanes bestraft sehen und sich zu apokalyptischen Bildern versteigen, möchte ich hier kein Weltuntergangsszenario aufmachen. Vielmehr will ich einladen, die Welt mit den Augen des Vertrauens zu betrachten.

Gehe ich recht in der Annahme, dass in der aktuellen Zeit die gläubige Betrachtung der Zeitereignisse schwer zu vermitteln ist? Zu weit scheint die Tendenz in unserer Gesellschaft, die Eigengesetzlichkeit der Dinge zu betrachten und es damit genug sein zu lassen. Den Hintergrund zu suchen, auf dem alles gedeu-tet werden kann, ist überflüssig.

Wir haben den Klimawandel, die Schuldigen können wir nicht ausmachen, weil wir es selbst sind, die USA haben seit Obama als Sündenbock ausgedient. Es ist richtig und vernünftig, Lösungen zu entwickeln, die aus der der Krise führen, in der Form von erneuerbaren Energien zum Beispiel. Der Ansatz, von Gott her zu denken und zu fragen, was er mir durch diese Ereignisse sagen will, ist nur noch wenigen vernünftig und sinnvoll.

Wir haben die Wirtschaftskrise. Die Schuldigen sind hier leicht ausgemacht, es sind die Heuschrecken, eine Plage im biblischen Stil. Bisher verhalten wir uns aber wie die Ägypter, die sich der Botschaft Gottes, die sich hinter dieser Plage verbirgt, verschließen.

Natürlich ist es Ihnen nicht entgangen, dass ich vorhin in kurzen Worten das Geschehen um den Einsturz des Stadtarchivs in Köln glossierte. Würde es Ihnen einfallen, diesen Einsturz als einen Fußabdruck Gottes zu deuten, als ein Stück seines Mantels, mit dem er durch unsere Zeit geht?

Wir Christen sind in diesen Fragen vorsichtig geworden. Der Fall Wagner zeigt, dass diese Herangehensweise an die Ereignisse leicht missdeutet werden können und im Bereich des Fundamentalismus landen. Ist es deswegen klüger, jegliche Deutung der Ereignisse von Gott her und zu Gott hin zu unterlassen?

Der Riss in unserem Weltbild hat die Herzen erreicht. Das Erdbeben von Lissabon im 18. Jahrhundert wurde als Startsignal der Aufklärung gesehen. Die Deu-tung der Geschichte wurde den Glaubenden genommen und den Analytikern gegeben.

Ein Gedankenspiel möge erlaubt sein: Was würde Paulus heute sagen? Er, der in allen Fragen der damaligen Gemeindepraxis immer wieder den Willen Gottes suchen musste. Der in Troas Visionen hat und immer mal wieder durch den Heiligen Geist gehindert wird.
Ganz unbefangen sagt die Apostelgeschichte: Der Geist Jesu hinderte. Oder aber förderte. Paulus und seinen Zeitgenossen war dieses Auseinderfallen des Weltbildes unbekannt, vermutlich hätte er sich erst lange in unsere Vorstellungen hinein denken müssen. Für ihn ist alles, was ihm auf seinen Reisen widerfährt, Ausdruck des Waltens Gottes, sei es für ihn erfreulich oder leidvoll. Ohne Beschränkung auf das Kleinteilige sieht er das Größere Ganze. Vermutlich wäre Paulus heute Künstler, denn jene dürfen noch die Welt als Ganz in den Blick nehmen.

Ganzheit

Wie sich der Kreis doch wieder schließt. Was ich im Bereich des inneren Men-schen mit dem Ganz- und Heilwerden des Paulus deutete, wird durch seine ganzheitliche Sicht der Dinge im Äußeren ergänzt. In allem sieht er Gott am Werk, den Vater Jesu Christi. Getragen von Vertrauen ist er unterwegs, die Stärke seiner Botschaft.

Zerrissene Kleider gehören dazu. Ablehnung und Feindschaft lassen ihn nicht mutlos werden, genauso wenig wie die Gewalten der Natur. Alles führt ihn tiefer in das Geheimnis Gottes ein.
Von Karl Rahner wird das oft zitierte Wort überliefert: Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder überhaupt nicht mehr sein. Der Mystiker sieht hinter den Dingen das Verborgene, die Wirklichkeit, die Gott ist. Und wie Paulus Gott sieht, dass bezeugt er auf wunderschöne Weise:

"Alle, die sich vom Geist Got-tes leiten lassen, sind Kinder Gottes. Ihr habt doch nicht einen Sklavengeist empfangen, dass ihr euch wieder fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!" (Röm 8, 14)

Welche Befreiung liegt in diesem Wort! Nicht mehr Furcht vor dem nächsten Einsturz von Gebäuden unserer Welt und unseres Lebens, sondern hoffnungsfrohes Erwarten und Ergreifen. Was soll uns schon geschehen, wir sind doch Kinder Gottes!

"Die gesamte Schöpfung seufzt und liegt in Wehen." (Röm 8, 21)

Mit Worten aus dem 8. Kapitel des Römerbriefes möchte ich Sie einladen, in ihrem inneren und äußeren Leben, in ihren Familien und Netzwerken nach den Spuren Gottes zu suchen und zu trauen, dass er sie als sein geliebtes Kind trägt und hält. Paulus schreibt:

"Wir wissen, dass Gott denen, die ihn lieben, alles zum Guten wirkt’ … Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Bedrängnis oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? … All das ü-berwinden wir durch den, der uns geliebt hat." (Röm 8)

Ich wünsche Ihnen die Erfahrung der Liebe Gottes besonders in jenen Stunden, in denen sie nichts in ihrem Herzen spüren und der Zweifel näher ist als der Glaube.

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