Auf den Spuren des hl. Paulus

eine Bilderserie zum Paulusjahr
23.11.2008

Taufstelle Philippi

Taufstelle in Philippi
Foto: H. Brantzen

 

21  Lydia in Philippi

Die erste Begegnung des Paulus und Silas auf europäischem Boden, wie sie die Apostelgeschichte schildert, ist die mit der Purpurhändlerin Lydia, die aus Thyatira (heute: Akhisar in Kleinasien), einer für den Purpurhandel bekannten Stadt, stammte. Sie gehörte wohl zu den sogenannten „gottesfürchtigen“ Griechen, die als Nichtjuden in die Synagogen gingen und dort im Gottesdienst zuhörten.

„Von dort (Neapolis / Kavala) gingen wir nach Philippi, in eine Stadt im ersten Bezirk von Mazedonien, eine Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf. Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten. Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige, und der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte. Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr überzeugt seid, dass ich fest an den Herrn glaube, kommt in mein Haus, und bleibt da. Und sie drängte uns.“

Apg 16,12-15

Die Stadt Philippi, benannt nach dem Vater Alexanders des Großen, war eine einflussreiche Stadt der römische Kolonie. Die Bürger besaßen besondere römische Privilegien, eine autonome Verwaltung und Steuerfreiheit.
Mittendrin: Lydia, eine selbständige, emanzipierte Frau, die offensichtlich ihr Geschäft versteht, eine wohlhabende und unabhängige Frau.

Die Bekehrung Lydias geschieht nicht durch das Geschick des rhetorisch geschulten Paulus, sondern weil Gott selbst ihr Herz öffnet. Ihre Bekehrung und ihre Taufe sowie die Taufe aller Mitglieder ihres Hauses ist der erste Baustein der europäischen Kirche.

Lydia hat wohl fortan die christliche Gemeinde in ihrem Haus zu versammeln. Manche rechnen Sie unter die Diakoninnen der frühen Kirche. Paulus erwähnt im Philipperbrief die besondere finanzielle Hilfe durch diese Gemeinde, was ebenfalls Lydia angerechnet wird. So nimmt die eine herausragende Stellung als Mäzenin und Gemeindeleiterin ein. Diese Erzählung der Apostelgeschichte wird oft angeführt, um über die Stellung der Frau in der Kirche nachzudenken.

Lydia schwingt sich aber nicht selbst zur Gemeindeleiterin auf. Sie setzt sich dem Urteil von Paulus und Silas aus. Wenn diese ihren Glauben als echt befinden, dann stellt sie ihr Haus zur Verfügung als Hauskirche.


Sich von Gott ergreifen lassen.
Sich ans Herz rühren lassen.
Den Glauben mit Herz und Verstand umfassen.
Seinen Glauben dem Urteil berufener Menschen aussetzen.
Sich in Dienst nehmen lassen.
Das eigene Haus zur Hauskirche werden lassen.

 

Lydia-Ikone

Ikone der Lydia in Philippi
Foto: Marie-Luise Langwald


 

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